Präsentismus in Oberösterreich: Ein wachsendes Problem

Redaktion

17. Juli 2026

Die Arbeitswelt in Oberösterreich steht vor einer besorgniserregenden Entwicklung: Immer mehr Beschäftigte gehen krank zur Arbeit, ein Phänomen, das als Präsentismus bezeichnet wird. Diese Tendenz ist nicht nur ein individuelles Gesundheitsrisiko, sondern hat auch weitreichende Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft. Am 17. Juli 2026 veröffentlichte die Arbeiterkammer Oberösterreich eine Analyse, die alarmierende Zahlen präsentiert.

Präsentismus: Definition und Folgen

Präsentismus beschreibt die Situation, in der Arbeitnehmer:innen trotz Krankheit arbeiten gehen. Dies kann aus einem Pflichtgefühl gegenüber Kolleg:innen oder aus Angst vor negativen Konsequenzen im Betrieb geschehen. Die gesundheitlichen Folgen sind erheblich: Häufiges Krankarbeiten kann zu längeren Genesungszeiten, Rückfällen und einer Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes führen.

Historisch gesehen, war Präsentismus schon immer ein Thema, doch die letzten Jahre haben eine deutliche Verschärfung gezeigt. Vor allem seit 2015 ist der Anteil der Arbeitnehmer:innen, die krank arbeiten, dramatisch gestiegen. In Oberösterreich sind es mittlerweile 72 Prozent aller Beschäftigten, die trotz gesundheitlicher Einschränkungen ihren Arbeitsplatz aufsuchen.

Präsentismus im Vergleich: Österreich und Nachbarländer

Ein Vergleich mit anderen Bundesländern zeigt, dass Oberösterreich besonders stark vom Präsentismus betroffen ist. In anderen Regionen Österreichs sowie in Deutschland und der Schweiz sind die Zahlen ebenfalls besorgniserregend, jedoch weniger dramatisch. In der Schweiz beispielsweise, wo das Gesundheitssystem anders strukturiert ist, gehen weniger Menschen krank arbeiten. Dies könnte auf bessere Präventionsmaßnahmen und Arbeitsbedingungen zurückzuführen sein.

Ursachen für den Anstieg von Präsentismus

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Ein zentraler Faktor ist die steigende Arbeitsbelastung. Viele Arbeitnehmer:innen berichten von einem hohen Druck, der durch Personalmangel und enge Zeitpläne verursacht wird. Fast ein Viertel der Beschäftigten in Oberösterreich fühlt sich durch Zeitdruck stark belastet, während über 20 Prozent angeben, dass der Arbeitsdruck erheblich ist.

Darüber hinaus spielt die Angst vor Arbeitsplatzverlust eine große Rolle. Viele Arbeitnehmer:innen befürchten, dass häufige Krankenstände negative Auswirkungen auf ihre Karriere haben könnten. Diese Angst wird durch die öffentliche Debatte über angeblichen Missbrauch von Krankenständen zusätzlich geschürt.

Statistiken und Fakten

Die Analyse der Arbeiterkammer zeigt, dass die durchschnittliche Krankenstandsdauer in Oberösterreich im Jahr 2025 bei 15,4 Tagen lag, ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2024. Besonders hohe Krankenstandszahlen gibt es in Branchen mit hoher körperlicher und psychischer Belastung, wie der Arbeitskräfteüberlassung und dem Post- und Kurierdienst. Diese Bereiche verzeichnen durchschnittlich 21 bzw. 20,7 Krankenstandstage.

Auswirkungen auf die Gesundheit und Wirtschaft

Präsentismus hat nicht nur gesundheitliche, sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen. Krank zur Arbeit zu gehen, führt oft zu einer geringeren Produktivität und kann langfristig zu höheren Gesundheitskosten führen. Unternehmen sollten daher in Präventionsmaßnahmen und eine bessere Arbeitsumgebung investieren, um den Präsentismus zu reduzieren.

Zukunftsperspektiven und Forderungen

Um die Situation zu verbessern, fordert die Arbeiterkammer Oberösterreich eine gerechte und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung, kürzere Wartezeiten im Gesundheitssystem und einen verbesserten Kündigungsschutz während des Krankenstandes. Investitionen in Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung sind ebenfalls unerlässlich.

Fazit

Die Analyse der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt, dass Präsentismus ein ernstzunehmendes Problem ist, das sowohl die Gesundheit der Arbeitnehmer:innen als auch die wirtschaftliche Stabilität gefährdet. Es ist an der Zeit, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam Maßnahmen ergreifen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und den Druck auf die Beschäftigten zu reduzieren. Nur so kann eine nachhaltige Verbesserung erreicht werden.

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