Klarheit gefordert: Österreichs Umgang mit ME/CFS

Redaktion

12. Mai 2026

Der 12. Mai 2026 könnte ein entscheidender Tag für Menschen in Österreich mit der chronischen Erkrankung ME/CFS werden. Der Internationale ME/CFS-Tag lenkt die Aufmerksamkeit auf die dringenden Forderungen der Grünen im österreichischen Parlament, die eine klare und entschlossene Umsetzung des Aktionsplans PAIS verlangen. Mit einem deutlichen Appell an die Bundesregierung und die Sozial- und Gesundheitsministerin fordern Ralph Schallmeiner und Markus Koza ein Ende der Vertröstungen und die Einhaltung bereits gegebener Zusagen.

Aktionsplan PAIS: Was steht auf dem Spiel?

Der Aktionsplan PAIS, eine Initiative zur Verbesserung der Versorgung und Anerkennung von ME/CFS-Betroffenen, steht im Mittelpunkt der aktuellen Debatte. ME/CFS, auch als Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom bekannt, ist eine schwerwiegende, oft lebensverändernde Erkrankung, die durch anhaltende Erschöpfung und eine Vielzahl weiterer Symptome gekennzeichnet ist. Die Forderung nach einer vollständigen Umsetzung des Plans ist nicht neu, doch die Dringlichkeit spitzt sich zu. Die Grünen betonen, dass ohne Abschwächungen und Verzögerungen konkrete Verbesserungen in der Versorgung, Anerkennung und sozialen Absicherung notwendig sind.

Historische Entwicklung der ME/CFS-Debatte

ME/CFS ist seit Jahrzehnten ein Thema, das sowohl in der medizinischen Forschung als auch in der öffentlichen Wahrnehmung umstritten ist. Ursprünglich als ‚Yuppie-Flu‘ abgetan, hat sich die Wahrnehmung der Krankheit in den letzten Jahren gewandelt. In Österreich wurde das Thema durch Betroffeneninitiativen und wissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend in den Fokus gerückt. Der Aktionsplan PAIS ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen, eine strukturierte und umfassende Herangehensweise zu entwickeln. Während Länder wie Deutschland und die Schweiz bereits Fortschritte in der Anerkennung und Versorgung gemacht haben, hinkt Österreich nach Meinung der Grünen hinterher.

Vergleich mit Deutschland und der Schweiz

In Deutschland wurde bereits eine Forschungsinitiative ins Leben gerufen, die über zehn Jahre hinweg mit 50 Millionen Euro gefördert wird. Diese finanziellen Mittel sollen dazu beitragen, die Diagnose und Behandlung von ME/CFS zu verbessern. In der Schweiz gibt es spezialisierte Kliniken und ein breiteres Bewusstsein für die Krankheit. Österreich hat zwar den Aktionsplan PAIS, jedoch fehlt es laut den Grünen an der entschlossenen Umsetzung und an vergleichbaren Ressourcen. Die Forderung nach einer ähnlichen Forschungsinitiative wie in Deutschland steht im Raum.

Die Auswirkungen auf die Bürger

Für die rund 25.000 Betroffenen in Österreich ist die aktuelle Situation unbefriedigend. Ohne klare politische Zusagen und eine Verbesserung der medizinischen Versorgung und sozialen Absicherung stehen viele Betroffene vor großen Herausforderungen. Ein Beispiel ist die geplante Anrechnung des Partnereinkommens bei der Notstandshilfe, die besonders Frauen und chronisch Kranke wie ME/CFS-Betroffene hart treffen würde. Diese Regelung könnte zur Folge haben, dass viele ihre finanzielle Absicherung verlieren, was zu einer erheblichen Belastung für die ohnehin durch die Krankheit eingeschränkten Menschen führen würde.

Zahlen und Fakten zur Erkrankung

Laut Schätzungen leiden weltweit Millionen Menschen an ME/CFS, wobei die Dunkelziffer hoch ist, da viele Fälle nicht diagnostiziert werden. In Österreich wird die Zahl der Betroffenen auf etwa 25.000 geschätzt. Die Krankheit tritt häufig im Anschluss an virale Infektionen auf und kann zu schwerwiegenden Einschränkungen der Lebensqualität führen. Studien zeigen, dass die Erkrankung bei Frauen häufiger diagnostiziert wird als bei Männern, was auf mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der Immunreaktion hindeutet.

Die Rolle der Pensionsversicherungsanstalt

Ein weiteres Anliegen der Grünen ist die Positionierung der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) in Bezug auf ME/CFS. Die PVA wird aufgefordert, die Krankheit wissenschaftlich anzuerkennen und sich von abwertenden Narrativen zu distanzieren. Die Anerkennung durch die PVA wäre ein wichtiger Schritt, um Betroffenen den Zugang zu notwendigen Unterstützungsleistungen zu erleichtern und die gesellschaftliche Stigmatisierung zu verringern.

Zukunftsperspektiven für Österreich

Die Grünen fordern eine langfristige Forschungsstrategie für ME/CFS in Österreich, ähnlich der deutschen Initiative. Eine Forschungsdekade mit einem Budget von 50 Millionen Euro könnte dazu beitragen, die Diagnostik und Therapie dieser komplexen Erkrankung entscheidend voranzubringen. Dies würde nicht nur den Betroffenen direkt zugutekommen, sondern auch das Gesundheitswesen insgesamt stärken. Die laufende Petition der Österreichischen Gesellschaft für ME/CFS und WE&ME unterstreicht den Druck auf die Politik, konkrete Schritte zu unternehmen.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass der 12. Mai nicht nur ein Tag des Erinnerns, sondern auch ein Tag des Handelns sein sollte. Die Forderungen der Grünen sind klar und entschlossen: Es braucht jetzt Entscheidungen, die die Lebensqualität tausender Österreicher nachhaltig verbessern können.