Wien (OTS) – Die heute veröffentlichte PISA-Studie stellt dem
heimischen
Schulsystem weiterhin ein schlechtes Zeugnis aus. Dass Österreichs
Schüler bei den absoluten Kernkompetenzen Lesen und Mathematik ein
deutliches Minus verzeichnen, ist ein Alarmsignal, das nicht durch
das leichte Plus in den Naturwissenschaften schöngeredet werden darf.
Für FPÖ-Bildungssprecher NAbg. Hermann Brückl sind die aktuellen PISA
-Ergebnisse symptomatisch für den besorgniserregenden Zustand unseres
Bildungssystems. Wenn nämlich Österreich beim Lesen mittlerweile
sogar hinter der Türkei liegt, dann ist es schon fünf nach zwölf. Es
steht fest, dass die anhaltende Einwanderung nach Österreich und die
damit verbundenen sprachlichen Barrieren in den Klassenzimmern einen
wesentlichen Teil zu dieser negativen Entwicklung beitragen.
Besonders kritisch bewertet Brückl in diesem Zusammenhang die
Aussagen von NEOS-Bildungsminister Wiederkehr. Dieser bezeichnet die
durch die PISA-Studie schwarz auf weiß belegte Leseschwäche zwar als
eine seiner größten Sorgen, rühmt sich aber gleichzeitig damit, die
verpflichtenden Deutschförderklassen abgeschafft zu haben. „Wer das
sinnerfassende Lesen völlig zu Recht als Grundvoraussetzung für ein
selbstbestimmtes Leben bezeichnet, kann nicht im selben Atemzug die
gezielte Deutschförderung aufweichen und das der Bevölkerung auch
noch als Erfolg verkaufen“, erklärte Brückl und fügte hinzu: „Die
PISA-Zahlen lügen nicht und zeigen den Handlungsbedarf schonungslos
auf. Wiederkehr kann über Digitalisierung, neue Schulmodelle und
Reformprojekte reden, so viel er will, wenn nämlich Jugendliche immer
schlechter lesen und rechnen können, hat das Bildungssystem seine
elementarste Aufgabe verfehlt. Gerade einmal 72 Prozent erreichen
überhaupt das Mindestniveau beim Lesen und gleichzeitig sitzen
weiterhin Kinder in Klassen, die dem Unterricht sprachlich kaum
folgen können. Besonders für Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen
braucht es eine gezielte und intensive Förderung, bevor aus
anfänglichen Sprachdefiziten dauerhafte Bildungsdefizite werden.
Unser Ansatz lautet daher ganz klar: Erst Deutsch, dann Schule. Ohne
ausreichende Sprachkenntnisse wird jedes weitere Bildungsversprechen
zu einer reinen Versprechung.“
Der NEOS-Minister hatte bereits in seiner fünfjährigen Amtszeit
als Wiener Bildungsstadtrat ausreichend Zeit, um zu beweisen, ob
seine Konzepte in der Praxis funktionieren. Die Bilanz in der
Bundeshauptstadt, die sich nun auch in den bundesweiten PISA-Daten
niederschlägt, zeigt jedoch ein anderes Bild, so der freiheitliche
Bildungssprecher. Geblieben sind ein eklatanter Lehrermangel, massive
Sprachprobleme in den Klassen und ein Schulsystem, das unter immer
größerem Druck steht. Seit seinem Amtsantritt auf Bundesebene spricht
der Minister permanent von Pilotprojekten, bleibt aber Antworten auf
die drängendsten Fragen schuldig. „Von der Diskussion über eine
sechsjährige Volksschule über die Streichung des Sprachunterrichts
bis hin zur forcierten politischen Bildung erleben wir derzeit ein
bildungspolitisches Chaos. Was unsere Schulen jetzt aber dringend
brauchen, um bei künftigen PISA-Studien wieder im Spitzenfeld zu
landen, sind Stabilität, Verlässlichkeit und klare Zielsetzungen
statt ideologischer Schnellschüsse, die letztlich nur zulasten von
Schülern, Eltern und Lehrkräften gehen“, forderte Brückl.