NÖ GVV kritisiert Gemeindenfinanzierung: Ein systemisches Problem?

Redaktion

14. Januar 2026

Am 13. Januar 2026 versammelten sich rund 500 MandatarInnen im Arbeitnehmer:innenzentrum der AKNÖ in St. Pölten, um am traditionellen Neujahrsempfang des Verbandes sozialdemokratischer GemeindevertreterInnen in Niederösterreich (NÖ GVV) teilzunehmen. Der Empfang, der unter dem Motto „Für Dich. Für Deinen Ort“ stand, brachte wichtige Diskussionen über die finanzielle Situation der Kommunen ins Rampenlicht. NÖ GVV-Präsident Bgm. Andreas Kollross betonte in seiner Rede die drängenden finanziellen Herausforderungen, denen Städte und Gemeinden gegenüberstehen.

Systemisches Problem der Gemeindenfinanzierung

Bei der Veranstaltung machte Andreas Kollross deutlich, dass die Gemeindenfinanzierung in Österreich vor einem systemischen Problem steht. Trotz eines konjunkturellen Aufschwungs fehlt den Städten und Gemeinden das Geld, um ihre Aufgaben adäquat zu erfüllen. Die Problematik liegt in der derzeitigen Struktur der Finanzverteilung, die Kollross als unzureichend beschreibt.

Fachbegriffe einfach erklärt

  • Finanzausgleich: Ein Mechanismus zur Verteilung von Steuereinnahmen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Ziel ist es, finanzschwache Gemeinden zu unterstützen und eine gleichmäßige Versorgung der BürgerInnen zu gewährleisten.
  • Daseinsvorsorge: Bezieht sich auf die Bereitstellung grundlegender öffentlicher Dienstleistungen wie Wasser, Energieversorgung, Gesundheitsdienste und Bildung durch die öffentliche Hand.

Historische Entwicklung der Gemeindenfinanzierung

Die Finanzierung von Gemeinden in Österreich hat eine lange Geschichte, die bis in die Zeiten des Habsburgerreichs zurückreicht. Traditionell hatten Gemeinden eine hohe Autonomie, die jedoch im Laufe der Zeit durch zentralisierte staatliche Maßnahmen eingeschränkt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Finanzausgleich eingeführt, um den Gemeinden eine gerechtere finanzielle Basis zu bieten. Doch die heutige Struktur wird von vielen als veraltet angesehen, da sie nicht mehr den aktuellen Anforderungen gerecht wird.

Vergleich mit Deutschland und der Schweiz

In Deutschland und der Schweiz sind die Gemeindenfinanzierungen ähnlich strukturiert, jedoch gibt es Unterschiede in der Handhabung und Flexibilität der Mittelverwendung. In der Schweiz beispielsweise haben Gemeinden mehr Autonomie bei der Steuererhebung, was ihnen erlaubt, direkter auf lokale Bedürfnisse einzugehen. In Deutschland hingegen sorgt der Länderfinanzausgleich für eine Umverteilung zwischen finanzstarken und -schwachen Bundesländern, was den Gemeinden eine stabilere finanzielle Basis bieten kann.

Konkrete Auswirkungen auf BürgerInnen

Die finanzielle Misere der Gemeinden hat direkte Auswirkungen auf die BürgerInnen. Beispielsweise können wichtige Infrastrukturprojekte wie der Bau oder die Sanierung von Schulen, Kindergärten und Straßen verzögert werden. Auch bei der Bereitstellung von Sozialdiensten wie der Jugendarbeit oder Seniorenbetreuung könnten Einsparungen nötig werden, was die Lebensqualität der EinwohnerInnen erheblich beeinträchtigen könnte.

Zahlen & Fakten

Laut einer aktuellen Studie fehlen den österreichischen Gemeinden jährlich rund 1 Milliarde Euro, um ihre Aufgaben vollständig zu erfüllen. Diese finanzielle Lücke hat zur Folge, dass viele Gemeinden auf Rücklagen zurückgreifen oder Kredite aufnehmen müssen, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Der Finanzausgleich, der die Verteilung von etwa 90 Milliarden Euro jährlich regelt, wird als unzureichend kritisiert, da er die spezifischen Bedürfnisse der Gemeinden nicht ausreichend berücksichtigt.

Zukunftsperspektive und Lösungsansätze

Eine mögliche Lösung für das Finanzierungsproblem der Gemeinden könnte in einer umfassenden Aufgabenreform liegen. Diese würde bedeuten, dass bestimmte Aufgaben zentralisiert und die finanziellen Mittel effizienter verteilt werden. Zudem wird eine Reform der Grundsteuer diskutiert, die den Gemeinden mehr Einnahmen bringen könnte. Bundesfinanzminister Markus Marterbauer schlug vor, den Bundesländern mehr Entscheidungsfreiheit bei der Grundsteuer zu geben, um flexibel auf lokale Bedürfnisse reagieren zu können.

Die Diskussion um die Gemeindenfinanzierung wird sicherlich weitergehen, da sie entscheidend für die Lebensqualität in Österreich ist. Eine Reform könnte nicht nur die finanzielle Lage der Gemeinden verbessern, sondern auch die Zufriedenheit der BürgerInnen steigern, indem sie eine bessere Versorgung mit öffentlichen Dienstleistungen gewährleistet.

Fazit und Ausblick

Die finanzielle Situation der österreichischen Gemeinden ist ein komplexes Thema, das sowohl kurzfristige als auch langfristige Lösungen erfordert. Die Diskussionen beim Neujahrsempfang des NÖ GVV haben gezeigt, dass es an der Zeit ist, die Struktur der Gemeindenfinanzierung grundlegend zu überdenken. Nur durch eine gerechtere Verteilung der finanziellen Mittel können Städte und Gemeinden ihre Aufgaben effektiv erfüllen und den BürgerInnen die notwendige Unterstützung bieten.

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