Wien (OTS) – Umfassende interdisziplinäre Fachuntersuchungen sowie
hunderte
Gespräche mit tausenden Bürger:innen, Grundeigentümer:innen und
Gemeindevertreter:innen haben seit der Präsentation der Grobtrasse im
September 2025 stattgefunden. Das Ergebnis ist nun, fast genau ein
Jahr später, eine Planungstrasse für das 193-km-lange
Leitungsbauprojekt Netzraum Kärnten von Lienz in Osttirol bis
Obersielach in Kärnten. Die Planungstrasse ist eine Konkretisierung
der damals vorgestellten Grobtrasse und weist eine Korridor-Breite
von 70 Metern auf.
Insgesamt weicht die Planungstrasse mit Stand 14. September 2026
nun um rund 25 Prozent von der ursprünglichen Grobtrasse ab. „Die
Anpassungen sind das Ergebnis des umfassenden Dialogs mit den
Gemeinden und Grundeigentümer:innen sowie der kontinuierlichen
fachlichen Prüfung. Sofern es technisch, topografisch und ökologisch
machbar war, sind wir auf die Anregungen und Wünsche der Gemeinden
und Bürger:innen eingegangen. Unser Ziel ist es, eine
genehmigungsfähige Trasse zu entwickeln. Im UVP-Verfahren werden alle
möglichen Auswirkungen auf Mensch UND Natur geprüft“, informiert APG-
Projektleiter Wolfgang Hafner.
Rund 200 zusätzliche Kilometer an Varianten untersucht
Abweichungen von der Grobtrasse gibt es vor allem im oberen
Drautal, im unteren Mölltal, auf dem Lurnfeld und im unteren Drautal,
bei Treffen, Feldkirchen, St. Veit, St. Georgen am Längsee sowie
Brückl. Insgesamt wurden von dem interdisziplinären Expert:innen-Team
innerhalb eines Jahres im gesamten Projektgebiet zusätzliche 200
Kilometer an alternativen Trassenführungen untersucht.
„Aufgrund dieses intensiven Austausches mit den Gemeinden und
Grundeigentümer:innen sind wir in den Planungen rasch vorangekommen
und möchten den Bürger:innen nun die aktuelle Planungstrasse als
wichtigen Zwischenstand online zugänglich machen. Aufgrund der
weiterführenden geologischen Untersuchungen und Kartierungen kann es
aber noch zu kleinräumigen Anpassungen kommen“, so Hafner weiter.
Planungsfokus liegt nun auf Feintrasse mit Maststandorten und
Zufahrten
Die weiteren Planungen des Projektteams von Netzraum Kärnten
konzentrieren sich nun auf die Festlegung der Maststandorte und
Zufahrtsstraßen. Dafür wird es in den kommenden Monaten zahlreiche
Gespräche und Abstimmungen mit betroffenen Grundeigentümer:innen
geben. Parallel finden weiterhin umfassende geologische und
ökologische Detailuntersuchungen statt. „Alle diese weiteren
Planungen münden in die Feintrasse, die wir der Bevölkerung im
Spätherbst erneut bei regionalen Infomessen präsentieren“, informiert
Hafner.
Ausbau der 110-kV-Netzinfrastrukturund geplanter Rückbau
bestehender 110-kV-Infrastruktur
Teil von Netzraum Kärnten ist die Mitführung einer 110-kV-Leitung
der Kärnten Netz von Oberdrauburg bis Obersielach. “Wir verbinden 12
Umspannwerke mit dieser neuen 110-kV-Leitung, acht dieser
Umspannwerke errichten wir neu, vier weitere Umspannwerke werden
eingebunden”, erläutert Gernot Kowatsch, Projektleiter der Kärnten
Netz. “Derzeit arbeiten wir an den Planungen für die Standorte der
neuen Umspannwerke und die notwendigen 110-kV-Zuleitungen und führen
Gespräche mit betroffenen Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern.”
Nach der Inbetriebnahme von Netzraum Kärnten können 140 km
bestehender 110-kV-Leitungen zwischen Lienz und Villach sowie
zwischen Brückl und Obersielach demontiert werden, ebenso die
bestehenden Umspannwerke Oberdrauburg und Steinfeld. Sie werden
jeweils außerhalb der Ortsgebiete neu errichtet. “Mit diesem Ausbau
des 110-kV-Netzes ertüchtigen wir unsere 110-kV-Intrastruktur für die
Anforderungen der nächsten Generationen”, betont Projektleiter
Kowatsch.
Planungstrasse inklusive Grundstücksnummern auf
Ab sofort ist die aktuelle Planungstrasse als interaktive Karte
inklusive Katasterdaten und Grundstücksnummern auf dem Bürger-
Infoportal abrufbar.
Zusätzlich werden die Karten der einzelnen Gemeinden im
Downloadbereich auch als PDF zur Verfügung gestellt.
Zentrale Bedeutung für Kärnten, Osttirol, Österreich und Europa
Das Projekt Netzraum Kärnten ist für die sichere und nachhaltige
Energieversorgung Österreichs, Kärntens und Osttirols dringend
notwendig. Hafner: „Mit dem Ringschluss im 380-kV-Netz schaffen wir
die Grundlage, um den steigenden Strombedarf, die Transformation für
Betriebe, den Ausbau erneuerbarer Energien und die
Versorgungssicherheit zuverlässig miteinander zu verbinden.“
Das Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz (ElWOG)
verpflichtet die Übertragungs- und Verteilernetzbetreiber,
langfristig für eine sichere, zuverlässige und leistungsfähige
Stromversorgung zu sorgen. Die Netzentwicklung basiert auf nationalen
und internationalen Planungsgrundlagen und wissenschaftlicher
Untersuchungen; der ÖNIP und alle aktuellen Studien bilden ab, dass
sich der Strombedarf bis 2040 verdoppeln wird. Hafner: „Der
Strombedarf steigt durch die Transformation der Wirtschaft, die
Elektromobilität, Wärmewende und die digitale Infrastruktur. Daher
braucht es starke Netze.“
Mit dem PCI-Status wurde das Projekt Netzraum Kärnten im April
von der Europäischen Kommission als Projekt von überragendem
öffentlichem Interesse eingestuft. Damit zählt es nun zu den
wichtigsten Energievorhaben Europas. „Das bestätigt nicht nur die
regionale und nationale, sondern auch die internationale Bedeutung
dieses Vorhabens weit über Österreich hinaus“, so Hafner
abschließend.
Über das Projekt:
Netzraum Kärnten ist ein Kooperationsprojekt von Austrian Power
Grid (APG) und Kärnten Netz (KNG-Kärnten Netz). Es sieht eine 380-kV-
Verbindung zwischen Lienz in Osttirol und Obersielach bei Völkermarkt
in Kärnten sowie einen umfassenden Ausbau und die Verstärkung des
Kärntner 110-kV-Netzes vor. Das Vorhaben ist ein Schlüsselprojekt für
Kärnten, Osttirol und ganz Österreich, da die bestehenden Leitungen
stark ausgelastet sind und ihre Kapazitätsgrenzen erreichen. Mit
diesem Projekt eröffnet sich eine Jahrhundertchance: Es stärkt
Kärnten und Osttirol als Wirtschafts- und Lebensraum, sichert die
Stromversorgung kommender Generationen, ermöglicht die zusätzliche
Einspeisung von Strom aus erneuerbarer Energie und unterstützt den
schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Weitere Infos unter
Über Austrian Power Grid ( APG )
Als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber verantwortet Austrian
Power Grid (APG) die sichere Stromversorgung Österreichs. Mit unserer
leistungsstarken und digitalen Strominfrastruktur, sowie der
Anwendung von State-of-the-art-Technologien integrieren wir die
erneuerbaren Energien und reduzieren somit die Importabhängigkeit,
sind Plattform für den Strommarkt, schaffen Zugang zu preisgünstigem
Strom und bilden so die Basis für einen versorgungssicheren sowie
zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort. Das APG-Netz
erstreckt sich auf einer Trassenlänge von etwa 3.500 km, welches das
Unternehmen mit einem Team von rund 1.000 Spezialist:innen betreibt,
instand hält und laufend den steigenden Anforderungen der
Elektrifizierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie anpasst.
Über die Steuerzentrale in Wien wird ein Großteil der insgesamt 67
Umspannwerke, die in ganz Österreich verteilt sind, remote betrieben.
Auch 2025 lag die Versorgungssicherheit, dank der engagierten
Mitarbeiter:innen, bei 99,99 Prozent und somit im weltweiten
Spitzenfeld. Unsere Investitionen in Höhe von 680 Millionen Euro 2026
(2025:595 Mio., 2024: 440 Mio., 2023: 490 Mio. Euro) sind
Wirtschaftsmotor und wesentlicher Baustein für die Erreichung der
Energieziele Österreichs. Insgesamt wird APG bis 2034 rund 9
Milliarden Euro in den Netzaus- und Umbau investieren.