Wien (OTS) – Über 70 Jahre lang hat Hellmut Butterweck für DIE FURCHE
geschrieben
– jahrzehntelang als Redakteur, bis zuletzt als Autor. Der Kampf
gegen das Vergessen der NS-Barbarei und gegen das Wiedererstarken von
Faschismus und Antisemitismus prägten sein Wirken als Journalist,
Publizist zeithistorischer Standardwerke und Romancier. Nun ist er im
99. Lebensjahr in Wien gestorben, in der Nacht auf dem 9.9. ist er
nach Auskunft seiner Familie friedlich eingeschlafen.
Am 30. Dezember 1927 in Wien geboren, wuchs Butterweck bei seiner
Großmutter in einem bürgerlichen Haushalt in der Wieden auf. Seine
erste Politisierung erfuhr er am 10. November 1938, als er in der
„Reichspogromnacht“ die Zerstörung des Kaiser-Franz-Joseph-Tempels in
der Siebenbrunnengasse miterleben musste.
Die Kriegsjahre überlebte Butterweck mit Glück und Chuzpe – und
vor allem: ohne zur Kollaboration mit den Nazis gezwungen zu sein.
Bald nach Kriegsende machte Butterweck erste journalistische
Gehversuche, zuerst bei der ÖVP-Zeitung Volksblatt , dann bei einem
Medium des ÖVP-Dissidenten Josef Dobretsberger. 1953 dockte er bei
der FURCHE an. Sein erster Text erschien am 13. Juni in der Rubrik
„Querschnitte“.
Butterweck wurde zum journalistischen Tausendsassa, er
verantwortete Kulturberichterstattung, war Theater-, Film-,
Ausstellungs- und Literaturkritiker und betätigte sich auch als
politischer Glossist und Leitartikler sowie als
Wirtschaftskommentator.
Zuletzt – von 1996 bis 2002, ein Jahr vor seiner Pensionierung
2003 (da war er schon 75!) – leitete er das Buchressort dieser
Zeitung. Und noch bis vor Kurzem bzw. verstärkt in den vergangenen
Jahren war er immer wieder als Autor präsent : im Dezember 2024
erinnerte er anlässlich seines Buches „Der Ungeist der Stunde Null“
daran, wie auch nach 1945 über die Schoa geschwiegen wurde; im Jänner
2025 warnte er zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz unter
dem Titel „Wir haben nicht aufgepasst“ vor der Wiederkehr der Dämonen
des 20. Jahrhunderts; im Mai 2025 besuchte er mit der FURCHE die
Ausstellung „Kontrollierte Freiheit“ im Wien-Museum ; und in seinem
letzten Text vom August 2025 erinnerte er zum 80. Jahrestag des
Beginns der Volksgerichte an diese „entsorgte Geschichte“.
In einem eigenen Dossier hat DIE FURCHE wesentliche Texte von und
über Hellmut Butterweck zusammengestellt, darunter auch einen Nachruf
von Otto Friedrich .
Und auf der FURCHE- Autorenseite von Hellmut Butterweck sind
viele jener Artikel, die er in mehr als über sieben Jahrzehnten für
DIE FURCHE verfasst hat, nachzulesen.
DIE FURCHE blieb aber bei weitem nicht das einzige
Betätigungsfeld von Hellmut Butterweck. 1967 schrieb er fürs Radio
das Hörspiel „Das Wunder von Wien“, das 1982 auch im Theater an der
Josefstadt aufgeführt wurde, oder das Hörspiel „Die Letzten“ , das
2007 mit Fritz Muliar auf Ö1 zu hören war. 2016 erschien sein Opus
Magnum über die Berichterstattung der österreichischen Zeitungen zu
den Volksgerichtsprozessen , die zwischen 1945 und 1955 die NS-
Verbrechen juristisch aufzuarbeiten suchten. Auch über den Nürnberger
Prozess verfasste Butterweck zwei Bücher ( 2005 und 2022 ).
Butterweck verfasste auch Romane, 2008 erschien sein „Tote im
Verhör“, und das letzte Opus des 98-Jährigen, „Möglichkeiten“ aus
2026 , handelt von der Fiktion, dass das NS-Regime den Krieg gewonnen
hat, dann aber untergeht wie weiland die realsozialistische Diktatur
der DDR.
Öffentliche Anerkennung für sein enormes publizistisches Schaffen
wurde Hellmut Butterweck erst in hohem Alter zuteil: 2016 erhielt er
den „Preis der Stadt Wien“, 2024 wurde ihm der Berufstitel
„Professor“ verliehen und 2025 wurde er mit dem „Theodor Kramer Preis
für Schreiben im Widerstand und Exil“ ausgezeichnet.
Mit dem Tod von Hellmut Butterweck ist nicht nur ein
journalistisches Jahrhundertleben zu Ende gegangen. Österreich hat
mit ihm einen seiner originellsten Publizisten verloren, dessen
Leistungen viel zu wenig wahrgenommen und gewürdigt wurden.
DIE FURCHE verneigt sich vor Hellmut Butterweck in Dankbarkeit.
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