Am 4. August 2026 veröffentlichte die younion-Sportgewerkschaft eine umfassende Studie zur aktuellen Situation im österreichischen Frauenfußball. Die Ergebnisse dieser Erhebung, die Spielerinnen der ersten und zweiten Liga umfasste, werfen ein Licht auf die Fortschritte, aber auch auf die erheblichen Herausforderungen, mit denen Spielerinnen in Österreich konfrontiert sind. Die Studie zeigt, dass sich der Anteil der Spielerinnen mit einer Profi-Anstellung seit der letzten großen Befragung signifikant erhöht hat. Dennoch bleibt die finanzielle und gesundheitliche Absicherung vieler Spielerinnen prekär, insbesondere in der zweiten Liga.
Aktueller Stand im Frauenfußball
Die jüngsten Zahlen der younion-Sportgewerkschaft belegen, dass sich der Anteil der Spielerinnen mit Profi-Anstellungen in der ersten Liga mehr als verdoppelt hat. Im Jahr 2024 hatten nur 26 % der befragten Bundesliga-Spielerinnen einen Profivertrag. Heute sind es 53,8 %, die angeben, geringfügig, in Teilzeit oder in Vollzeit angestellt zu sein. Diese Entwicklung ist zwar positiv, sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass nur 8,9 % der Spielerinnen in Vollzeit angestellt sind und lediglich 12 % sich auf den Beruf als Fußballerin konzentrieren können. Die finanzielle Situation bleibt angespannt, da 57 % der Spielerinnen höchstens 720 Euro netto als monatliche Aufwandsentschädigung erhalten.
Herausforderungen und Missstände
Ein Hauptproblem, das die Studie aufzeigt, sind die hohen Eigenkosten, die Spielerinnen tragen müssen. 86,7 % der befragten Spielerinnen der ersten Liga zahlen für ihre Ausrüstungsgegenstände aus eigener Tasche. Zudem besteht ein erheblicher Bedarf an sozialer Absicherung. Nur 37,3 % der Spielerinnen wissen sicher, dass sie unfallversichert sind, während 75,9 % die Behandlungskosten im Verletzungsfall vollständig oder teilweise selbst tragen. Die gesundheitlichen Risiken sind hoch, da 78,5 % der Spielerinnen bereits verletzt waren, wobei 63,7 % mindestens eine Knieverletzung erlitten haben.
Die Lage in der zweiten Liga
In der zweiten Liga sieht die Situation noch kritischer aus. Weniger als 4 % der Spielerinnen sind geringfügig, in Teilzeit oder Vollzeit angestellt. Für die Mehrheit der Spielerinnen ist Fußball nicht existenzsichernd: 97,7 % arbeiten, studieren oder gehen zur Schule. Die finanzielle Unterstützung durch die Vereine ist minimal, da 94,2 % der Spielerinnen höchstens 500 Euro netto im Monat erhalten. 27,5 % bekommen gar kein Geld. Auch hier müssen 91,9 % ihre Ausrüstungsgegenstände selbst finanzieren.
Medizinische Absicherung und Unterstützung
Ein besonders alarmierender Aspekt ist die medizinische Absicherung. Nur 4 % der Spielerinnen wissen sicher, dass sie unfallversichert sind. 71,1 % tragen die Behandlungskosten bei Verletzungen vollständig selbst. Viele fühlen sich von ihren Vereinen im Verletzungsfall nicht ausreichend unterstützt. Dies ist besonders besorgniserregend, da die Spielerinnen der zweiten Liga ihre sportlichen Verpflichtungen zusätzlich zu Ausbildung oder Beruf absolvieren.
Vergleich mit anderen Ländern
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass ähnliche Herausforderungen auch in anderen Ländern bestehen. In Deutschland und der Schweiz sind die Diskussionen über die Professionalisierung des Frauenfußballs ebenfalls präsent. Während in Deutschland die Frauen-Bundesliga zunehmend professionelle Strukturen entwickelt, bleibt die finanzielle Absicherung vieler Spielerinnen ein Thema. In der Schweiz sind die Entwicklungen ähnlich, wobei die Professionalisierung des Frauenfußballs noch in den Kinderschuhen steckt.
Auswirkungen auf die Spielerinnen
Die unzureichende finanzielle und soziale Absicherung im österreichischen Frauenfußball hat konkrete Auswirkungen auf das Leben der Spielerinnen. Viele müssen neben dem Fußball einem Beruf oder Studium nachgehen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dies führt zu einem hohen Stresslevel und kann die sportliche Leistung beeinträchtigen. Die gesundheitlichen Risiken, die durch unzureichende Absicherung entstehen, stellen eine zusätzliche Belastung dar.
Zukunftsperspektiven
Die Studie der younion-Sportgewerkschaft zeigt, dass trotz der Herausforderungen ein positiver Trend erkennbar ist. Die sportliche Entwicklung wird von den meisten Spielerinnen positiv bewertet. In der ersten Liga sehen 78,5 % die Entwicklung der letzten drei Jahre als gut oder sehr gut an, in der zweiten Liga sind es sogar 88,9 %. Dennoch besteht Handlungsbedarf, um die Professionalisierung weiter voranzutreiben. Die Einführung von Kollektivverträgen mit Mindestgehältern und geregelten Rechten und Pflichten wird von einer Mehrheit der Spielerinnen unterstützt.
Gewerkschaftliche Forderungen
Die younion-Sportgewerkschaft setzt sich für mehr reguläre und sozialversicherte Beschäftigungsverhältnisse ein. Zudem werden verpflichtende schriftliche Vereinbarungen für alle Spielerinnen gefordert, ebenso wie klare Regelungen zur Unfallversicherung und zur Übernahme von Behandlungskosten. Verbindliche medizinische und sportliche Mindeststandards sollen etabliert werden, um die Spielerinnen besser zu schützen.
„Seit 2024 hat sich etwas bewegt. Jetzt geht es darum, aus einzelnen Fortschritten verlässliche Strukturen zu machen. Keine Spielerin soll sich zwischen ihrer sportlichen Karriere und ihrer finanziellen oder gesundheitlichen Sicherheit entscheiden müssen“, betont Stefanie Enzinger, ehemalige Nationalteamspielerin und younion-Vertreterin.
Fazit
Die Fortschritte im österreichischen Frauenfußball sind ermutigend, doch der Weg zur vollständigen Professionalisierung ist noch lang. Die Studie der younion-Sportgewerkschaft liefert wertvolle Einblicke in die aktuellen Herausforderungen und zeigt, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Die Einführung verbindlicher Regelungen und die Verbesserung der sozialen Absicherung sind entscheidend, um den Frauenfußball in Österreich auf ein professionelles Niveau zu heben. Spielerinnen verdienen es, sich voll und ganz auf ihre sportliche Karriere konzentrieren zu können, ohne finanzielle oder gesundheitliche Risiken tragen zu müssen.
Für weitere Informationen und Updates zur Entwicklung im österreichischen Frauenfußball besuchen Sie die offizielle Pressemitteilung der younion-Sportgewerkschaft.